VOLONTÄRE
Profil
Profil für freiwillige soziale Tätigkeit in Casa Belén (Volontäre)
1. Beschreibung von Inhalten und Zielen
Die Casa Belén ist eine Kindertagesstätte, die täglich ca. 150 Kleinkinder und ca. 50 Schulkinder betreut. Die Einrichtung ist der deutschsprachigen evangelischen Kirchengemeinde in Lima angegliedert und wird aus Gottesdienstkollekten mitfinanziert. Casa Belén ist auf die finanzielle Unterstützung durch am Projekt interessierte Personen angewiesen. Die personelle Unterstützung leisten hier vor Ort vor allem die festangestellten Mitarbeiter/Innen der Casa Belén, die täglich die Kinder versorgen und erziehen bzw. für den Unterhalt des Gebäudes sorgen.
Weiterhin sind wir seit geraumer Zeit sehr darum bemüht, Volontäre aus Deutschland für die Arbeit in der Casa Belén zu gewinnen. In der Mitarbeit von jungen Menschen aus Deutschland sehen wir Chancen für alle Beteiligten:
- Junge Menschen aus Deutschland erleben Peru aus der Sicht des größten Teils der Bevölkerung: der Armen
- Sie haben die Möglichkeit, am Beispiel eines kleinen Wirklichkeitsausschnitts Strukturen des Landes und seiner Bevölkerung zu begreifen. Überzeugungen, Denken und Handeln können als eng miteinander verwobenes Muster begriffen werden, dass anderen Gesetzmäßigkeiten folgt als denen in Deutschland oder Europa.
- Die aktive Mitarbeit in einem Sozialprojekt im Ausland erscheint uns eine der besten Formen des Kulturaustausches zwischen den Völkern zu sein. Das, was Menschen hier bei ihrer Arbeit erleben und beobachten, ist originär und profund, vorausgesetzt, dass eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im Gastland stattfindet und zudem Beobachtungen und Einschätzungen immer wieder mit der Frage nach dem Warum begleitet werden. Ein Land, eine Kultur, erschließt sich nicht so schnell; das Fremde und Unverständliche an ihm braucht Zeit und Geduld, um ansatzweise verstanden werden zu können.
- Die Kinder und die Mitarbeiter/innen in der Casa Belén haben durch die Zusammenarbeit mit freiwilligen Helfern aus Deutschland die Möglichkeit, sich mit ihnen in einem Teilbereich ihres Lebens auseinander zu setzten, am Modell zu lernen und Erfahrungen zu machen, die sie sonst nie machen könnten, weil ihnen die Möglichkeiten des Reisens aus finanziellen Gründen nicht offen stehen. Völkerverständigung mag ein hohes Ziel sein – im direkten Zusammenleben ist es wohl eher zu erreichen als beim reinen Tourismus.
- Die Mitarbeiter/ Innen der Casa Belén erleben, dass sich junge Menschen für ihre Arbeit interessieren, dass sie Zeit, Kraft und finanzielle Mittel investieren und somit von all dem Reichtum ein wenig abgeben, den europäische Jugendliche in weiten Teilen im Vergleich zur Bevölkerung Perus haben (Erziehung, Bildung, Gesundheit, Reisemöglichkeiten, Freizeitgestaltung, soziale Absicherung etc). Wir sehen diese Form der Hilfe als einen wichtigen Beitrag der Entwicklungshilfe an. Der Austausch von Gedanken und die Möglichkeit, Ideen zu übernehmen zu, wenn man davon überzeugt werden kann, kann ein entscheidender Teil der Hilfe zur Selbsthilfe sein – durchaus auf beiden Seiten.
- Der Vorstand der Casa Belén profitiert von der Arbeit der Volontäre durch deren Beobachtungen bei ihrer täglichen Arbeit. Die Vorstandsmitglieder sind immer nur stundenweise in der Casa Belén und können Strukturen, Probleme, mögliche Fehler in der Organisation etc. nie so gut beurteilen wie „ Außenstehende“, die mit offenen Augen und Ohren täglich mitarbeiten. Reflektierende Gespräche mit zumindest einem Vorstandsmitglied bzw. Teilnahme an Vorstandsitzungen sind deshalb für uns ein wichtiges Korrektiv unserer Arbeit.
- Die Casa Belén lebt auch davon, dass ihre Arbeit in Deutschland bekannt bzw. bekannter wird, dass eventuell auf Grund von Erzählungen neue Spender und neue Volontäre gewonnen werden können. Marketing sollte auch für ein Sozialprojekt kein Fremdwort sein.
2. Unsere Erwartungen an die Volontäre
Direkte Ansprechpartnerin hier vor Ort ist zunächst die Leiterin der Casa Belén, Frau Elisabeth Infantes, die in diesem Sinne auch ihre „ Vorgesetzte „ ist. Selbstverständlich können Sie sich auch immer an das für die Volontäre zuständige Mitglied des Vorstandes wenden, wenn Sie etwas Besonderes zu besprechen haben. (Die Telefonnummer wird Ihnen von der Leiterin ausgehändigt.). In der ersten möglichen Sitzung möchte der Vorstand den/die VolontärIn kennen lernen.
- Solide Spanischkenntnisse sind bei Arbeitsbeginn unerlässlich, denn Sie müssen sich sofort selbständig sowohl mit den Kindern als auch mit dem Personal und der Leiterin der Casa Belén, die kein Deutsch spricht, verständigen können..
- Wir möchten, dass eine Mitarbeit in der Casa Belén für mindestens drei Monate gewährleistet ist. Alle Seiten müssen sich aneinander gewöhnen und sich kennen lernen. Das erfordert Zeit. Ohne eine gute Integration ist die Arbeit für alle Beteiligten nicht sinnvoll. Wir möchten auch für die Mitarbeiter/Innen das Gefühl von „spontanen Durchläufern „ vermeiden. Auch für sie bedeutet die Mitarbeit von Volontären eine Anpassungs- und Vertrauensleistung, die sie nur erbringen können, wenn ihnen Zeit und Ruhe dafür gegeben wird.
Geplante längere Reisen durchs Land sollten aus oben genannten Gründen möglichst am Ende des Einsatzes stehen. Kurzreisen, für die ein freier Montag oder einen freier Freitag benötigt werden, sind nach Absprache mit der Leiterin möglich. Solch ein verlängertes Wochenende soll nicht häufiger als einmal pro Monat stattfinden.
- Die Casa Belén beginnt ihre Arbeit um 7.45 Uhr. Die Hauptarbeitszeit im Kindergarten ist um 13.00 Uhr beendet, da die Kinder dann einen Mittagsschlaf halten. Bis alles aufgeräumt ist und alle Kinder in ihren Betten liegen ist es jedoch 14.00 Uhr. Um diese Zeit kommen die Schulkinder zum Mittagessen und zur Hausaufgabenbetreuung. Hierbei sind die Volontäre und Praktikanten eine unschätzbare Hilfe.
- Wir erwarten, dass Sie pünktlich sind und im Zweifelsfall die Leiterin telefonisch über Krankheit oder späteres Kommen informieren.
- In der ganzen Casa Belén darf nicht geraucht werden.
- Einmal pro Woche können die Volontäre um 14 Uhr gehen – an den anderen Tagen wird erwartet, dass sie bei der Arbeit mit den Schulkindern, beim Aufräumen und Säubern der Räume etc. oder beim Anziehen der Kleinen nach dem Mittagsschlaf den verschiedenen Erzieherinnen helfen. An diesen Tagen endet die Arbeitszeit um 16.30 Uhr. In der Mittagspause von ca. 45 Minuten kann in Ruhe gegessen werden.
- Hilfsreich ist immer auch die Teilnahme an einzelnen Aktivitäten in der Gemeinde.
- Grundsätzlich gehen wir von einer Verweildauer in einer Gruppe von einem Monat aus. Da Volontäre nie für eine lange Zeit bleiben und viele Kinder schön mehrmalige Erfahrungen mit dem Verlassenwerden haben, ist eine zu große Bindung an eine Person, die nicht bleiben wird, auch nicht wünschenswert. Alle Kinder suchen von sich aus stark Nähe und Fürsorge auch eines jeden Neuen – es fehlt ihnen immer an Zuwendung und Liebe - : sie sollen die Praktikanten und Volontäre als Bereicherung erleben, aber nicht als jemanden, dem sie alles geben, der für sie aber nur kurzfristig eine Rolle spielen kann. Es unterliegt der Planung der Leiterin, in Absprache mit Ihren Wünschen, sie in den Gruppen ein zu setzten, in denen Hilfe gerade besonders nötig ist.
- Der freie Nachmittag soll mit der Leiterin abgesprochen und festgelegt werden. In Absprache mit ihr soll auch ein „Stundenplan“ aufgestellt werden, der klärt, zu welchen Zeiten die Volontäre anwesend sind und in welchen Gruppen sie mitarbeiten sollten.
- Sollte in einer Gruppe gerade ein besonderer Hilfsbedarf sein, so erwarten wir von den Volontären eine gewisse „spontane „ Einsatzbereitschaft.
- Jede Woche sollte ein kurzes Mitarbeitergespräch mit der Leiterin stattfinden.
- Wie in den meisten ärmeren und armen Ländern werden Menschen aus dem „ reichen „ Ausland von der Bevölkerung genau in Bezug auf Benehmen und Kleidung hin beobachtet. Wir bitten darum, dass Volontäre sauber und nicht zu freizügig gekleidet in die Casa Belén kommen. Das, was in Deutschland Mode ist, z.B. Flipflops, ist für die ärmere Bevölkerung „ Basic „ und einem aus ihrer Sicht reichen Europäer eine nicht angemessene Kleidung. Ebenso wird z.B. bauchfreie Kleidung im Erziehungsbereich weder verstanden noch akzeptiert. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Kindern und ihren Eltern in möglichst vielfältiger Weise Vorbild zu sein.
3. Unsere Unterstützung
Sobald Sie sich für einen Einsatz in der Casa Belén entschieden haben und wir Ihnen Ihren Termin bestätigt haben, senden wir Ihnen eine Liste mit günstigen Privatunterkünften zu, die Preise hierfür liegen zwischen 150 Dollar und 300 Dollar monatlich. Falls gewünscht, können wir die Anmietung vor Ort veranlassen, ansonsten können Sie sich zum gegebenen Zeitpunkt natürlich auch selber ein Zimmer suchen.
Wenn Sie uns Ihre genaue Ankunftszeit mitteilen, holen wir Sie vom Flughafen ab und bringen Sie zu Ihrer Unterkunft, ebenso am ersten Arbeitstag zur Casa Belén.
In der Casa Belén erhalten Sie ein einfaches Frühstück und ein Mittagessen. Es gibt in Lima so viel Obst und Gemüse, dass Sie leicht selber für eine zusätzliche Mahlzeit oder auch für vegetarische Ernährung sorgen können.
Wir unterstützen Sie mit einer Pauschale für Fahrtkosten etc. von ca. 200 Soles pro Monat.
In der Casa Belén bekommen Sie einen Kittel bzw. eine Schürze für Ihre Arbeit gestellt. Es wird auch erwartet, dass Sie diese tragen, da es ortsüblich und auch aus hygienischen Gründen erforderlich ist.
Sollten Sie sich für einen Einsatz in Casa Belén entscheiden, dann bitten wir Sie um folgende Personaldaten: Geburtsdatum, Heimatadresse, Telefonnummer, 2 Kontaktpersonen mit Telefonnr in Deutschland, Versicherungen, Mail
Wir sind sicher, dass Ihre Zeit in der Casa Belén für Sie, für die Kinder, die Mitarbeiterinnen und für uns sehr gewinnbringend sein wird. Wir freuen uns sehr dass Sie sich für die Arbeit der Casa Belén interessieren und freuen uns auf Ihr Kommen!
Ein Praktikantin berichtet:
Hola niños, hola niños, ¿cómo están? ¡Muy bien! Esto es un saludo de amistad. ¡Qué bien!. Haremos los posible para hacer buenos amigos, hola niños, hola niños ¿cómo están? ¡Muy bien!”
Schon am ersten Tag wurde ich von allen Kindern herzlich begrüßt, mit einem Wangenküsschen (“besito”), sowie es in Perú üblich ist.
“Esto es un saludo de amistad”
“¡QUÉ BIEN!”
Abgesehen von anfänglichen Kommunikationsproblemen (“Otra vez, por favor”, “Más despacio, por favor”, “Lo siento, no entiendo”) habe ich mich sehr schnell in der Casa Belén eingelebt und mich von Anfang an dort wohl gefühlt.
Meine Aufgaben reichen von Essen servieren und füttern, über Schnürsenkel zubinden und Popo abwischen bis hin zu trösten, umarmen und in den Schlaf singen.
Langweilig wird es nie, denn bei so vielen Kindern passiert jeden Tag etwas Unerwartetes. Die schönsten Momente in meinem Tagesablauf sind aber für mich, wenn ich für ein paar Minuten mit einem oder wenigen Kindern alleine bin, um ihnen meine 100-prozentige Aufmerksamkeit zu schenken. Beispielsweise nach dem Mittagsschlaf, wenn ein oder eine Frühaufsteher/In schon aus dem Bettchen gekrochen kommt und wir ein paar Minuten Zeit haben ungestört zu malen, oder uns leise zu unterhalten, bis die anderen Kinder aufwachen. In den Momenten merke ich auch, dass die Kinder es genießen nicht eines von 20 zu sein, sondern dass sich in diesem Moment alles nur um sie dreht.
Wenn dann alle wach sind, geht es wieder laut und lustig zu: Alle müssen erst aufs Töpfchen, dann werden Schuhe angezogen und Haare gekämmt. Diejenigen, die schon fertig sind, jagen einander durch den Schlafsaal, krabbeln unter den Bettchen her und toben zwischen unseren Beinen.
Wenn alle fertig sind (die Kinder mit Anziehen, die Erzieher mit den Nerven), gibt es im Speiseraum noch eine Kleinigkeit zu essen, bevor dann um 16:00 alle abgeholt werden.
Jeden Morgen freue ich mich aufs Neue die Kinder zu sehen und sie freuen sich auch. Inzwischen kennen alle meinen Namen und rufen mich schon, wenn sie mich kommen sehen. Um sehr viele wertvolle Erfahrungen reicher, werde ich Ende Oktober wieder nach Deutschland zurückkehren und weiß jetzt schon wie sehr ich “meine” Kinder vermissen werden. “Haremos lo posible para hacer buenos amigos
Hola niños, hola niños, ¿cómo están?”
“¡MUY BIEN!” |
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